Helle Thorning-Schmidt auf Jobsuche


Der Artikel ist erstmals als Kolumne "Bericht aus Kopenhagen" erschienen


Nicht wenige Politiker, die im Zentrum der Macht gestanden haben, fällt die Rückkehr in die politische Normalität und  in die zweite Reihe der Aufmerksamkeit schwer. Noch eben von zahlreichen Beratern und Journalisten umschwirrt, berichten einige von dem harten Aufprall in der politischen Bedeutungslosigkeit.  

Helle Thorning-Schmidt war fast vier Jahre Regierungschefin in Dänemark. Nach der verlorenen Folketingswahl trat sie von allen Ämtern zurück. Sie ist weiterhin Mitglied des Folketings. Aus dem täglichen Geschäft hält sie sich jedoch raus. Doch sie ist kaum gefährdet, in eine Nach-Regierungschefin-Depression zu verfallen. Sie kommt nämlich derzeit nicht zur Ruhe, sondern ist vielmehr auf Kosten des dänischen Außenministeriums mehr im Ausland unterwegs als daheim. Sie kandidiert als offizielle Vertreterin Dänemarks für den Posten des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen. Sie ist mit einer Werbetour in eigener Sache in verschiedenen Hauptstädten, bei der UN in New York und per Telefon und Videokonferenz schwer beschäftigt. Sie wird dabei von der dänischen Regierung und ihrem ehemaligen politischen Hauptgegner Lars Løkke Rasmussen unterstützt.

Die Bewerbung ist kein Geheimnis, dennoch ist bislang nur wenig von dem politischen Showlaufen in  den Medien zu  lesen gewesen.  Die dänische Presse tut sich schwer damit, verlässliche Information über den Stand des Bewerbungsverfahren zu recherchieren. Die Vernetzung von Helle Thorning-Schmidt mit der Weltpolitik scheint besser zu sein, als die Vernetzung der dänischen Presse. Mit einer reißerischen Geschichte auf der Vorderseite spricht die Tageszeitung Politiken am Wochenende von „Ärger um die Kandidatur“. Angeblich soll der dänische Außenminister Jensen mit einer Äußerung zu den Intentionen der Bundeskanzlerin, der Kandidatur von Helle Thorning-Schmidt geschadet haben. Diese leicht konstruiert wirkende Behauptung, versucht die Tatsache zu verschleiern, dass derzeit niemand genau weiß, wie gut die Chancen der ehemaligen Vorsitzenden der dänischen Sozialdemokratie sind, den prestigeträchtigen und gut bezahlten UN-Job zu ergattern. Dem Hohen Flüchtlingskommissar untersteht das Hochkommissariat (UN Refugee Agency). Das Hochkommissariat ist mit dem Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen beauftragt und auch im Bereich der humanitären Hilfe tätig. Helle Thorning-Schmidt wäre die politische Chefin von 9.500 Angestellten. Der ehemalige dänische Regierungschef Poul Hartling hatte den Posten von 1978-85 inne. 

Derzeit bereitet dem dänischen Außenministerium die Tatsache Kopfzerbrechen, dass Deutschland mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen gezogen ist. Die Strategen am Asiatisk Plads in Kopenhagen hatten ob der guten Beziehungen von Helle Thorning-Schmidt mit Angela Merkel eine deutsche Unterstützung erwartet. Doch politische Freundschaften gelten bei der Vergabe von wichtigen Posten nur wenig.

Neben den starken Gegenkandidaten muss sich Helle Thorning kritische Fragen gefallen lassen. Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, warum die dänische Regierungschefin, die im Wahlkampf noch mit Inbrunst die Verschärfung der Zugangsbedingungen für Flüchtlinge nach Dänemark verkündet habe, nun die beste Kandidaten sei, um just jenen Flüchtlingen als Hohe Kommissarin beizustehen. 

Insgesamt liegen 13 Kandidaturen vor – drei Personen kommen in die engere Auswahl und dürfen zum Vorstellungsgespräch beim Uno-Generalsekretär vorsprechen. Ob die dänische Kandidatin in die engere Auswahl kommt oder sich vielleicht doch mit der eigenen politischen Bedeutungslosigkeit wird  auseinander setzen müssen, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen